Arbeitsgruppe Neue Versorgungsformen

In den AG-Sitzungen werden Versorgungskonzepte und -modelle vorgestellt, die das Potenzial aufweisen, Patientenversorgung und Versorgungsprozesse nachhaltig zu verbessern. Dazu gehören beispielsweise Modellvorhaben und Projekte auf selektivvertraglicher Basis, aber auch E-Health-Ansätze, Qualitätsinitiativen und Businessmodelle von Start-up-Unternehmen im Healthcare-Bereich.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf sektorenübergreifenden und interdisziplinären Kooperationsformen. Darüber hinaus hat sich die Arbeitsgruppe in den vergangenen Jahren mehrfach den Veränderungen und Herausforderungen in der Versorgung psychischer Erkrankungen gewidmet. Die Arbeitsgruppe Neue Versorgungsformen tagt viermal jährlich mit ca. 30 bis 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.


Die AG wird geleitet von

Laegel-RalfRalph Lägel

MBA, Senior Manager Healthcare Strategies Global Innovative Pharma Business Germany, Pfizer Pharma GmbH

Moews-VolkerProf. Dr. Volker Möws

Geschäftsführer Politik,
Techniker Krankenkasse


Bericht zur Arbeitsgruppe aus dem Geschäftsbericht 2015

Auch 2015 standen vier Themen rund um innovative Versorgungsansätze auf der Agenda der Arbeitsgruppe. Die Stichworte für die erste Jahreshälfte lauteten Versorgungsstärkungsgesetz und Multimorbidität. Nach der Sommerpause ging es um Telemedizinprojekte und Ärztenetze.

Versorgungsstärkungsgesetz – Konkrete Konsequenzen für die Praxis

Am 10. März 2015 befasste sich die Arbeitsgruppe mit dem Versorgungsstärkungsgesetz. Zunächst stellte BMC-Geschäftsführerin Dr. Susanne Ozegowski die Rahmenbedingungen des Innovationsfonds vor und lotete die Chancen, aber auch die Grenzen dieser Form der Innovationsförderung aus.

Aufschluss über die juristischen Implikationen des im GKV-VSG neu gefassten § 140a SGB V gab Dr. Dominique Jaeger, Fachanwältin für Medizinrecht bei M&P Dr. Matzen und Partner. Sie betonte, dass der neue § 140a SGB V die Gestaltungsmöglichkeiten für die Krankenkassen erweitert und Möglichkeiten für besondere Angebote im Wettbewerb schafft. Dem stimmte Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, ehemaliger stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK, zu. Seiner Ansicht nach sei der Innovationsfonds aktuell der Dreh- und Angelpunkt des Innovationsdenkens. Er merkte jedoch an, dass das Refinanzierungsinteresse der Krankenkassen sehr hoch sei, was sich sicher auf die Antragsstrategie auswirken werde.

Welche Rolle die IT-Infrastruktur für Innovationen spielt, verdeutlichte Dr. Axel Wehmeier, Sprecher der Geschäftsführung, Deutsche Telekom Healthcare & Security Solutions GmbH. IT dürfe nicht als allein als Kostenfaktor angesehen, sondern sollte eher als Investitionsgut geschätzt werden. Für eine bedarfsgerechtere Versorgung sei eine deutschlandweite Standardisierung extrem wichtig. Dabei sollte auch darauf geachtet werden, dass die Umsetzbarkeit in der Praxis für Ärzte, Pflegekräfte und medizinische Fachangestellte gewährleistet ist.

Multimorbidität, Multimedikation und Pflege: Modelle zur Bewältigung aktueller Herausforderungen

Die zweite Sitzung der AG fand am 23. Juni in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Gesundheit 65 Plus statt und befasste sich mit Denkansätzen zu den Themen Multimorbidität, Multimedikation und Pflege.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels nehme die Bedeutung pflegender Angehöriger immer mehr zu, so Dr. Susanne Klein, Leiterin Versorgungsmanagement-Entwicklung bei der Techniker Krankenkasse. Jedoch brauchen die pflegenden Angehörigen auch Unterstützungs- und Entlastungsangebote, die sich an konkreten Alltagsbedürfnissen orientieren. Auf dieser Basis entwickelte die TK das Modell NetzWerk LebenPlus, das Integrierte Versorgung mit regionalem Quartiersmanagement und übergreifenden Kooperationsleistungen verzahnt.

Um Unterstützungs- und Entlastungsangebote für pflegende Angehörige ging es auch in dem Beitrag von Dr. Jürgen Fröhlich, Vertrieb und Marketing bei der rehaVital Gesundheitsservice GmbH, und Axel Schnell, Leiter der Bundesgeschäftsstelle des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste. Sie berichteten von den Reformvorschlägen, die die Projektgruppe Pflege und Integrierte Versorgung in den Gesetzgebungsprozess für das Pflegestärkungsgesetz eingebracht hat.

Am Nachmittag widmete sich die Arbeitsgruppe dem Thema Arzneimitteltherapiesicherheit. Nachdem Prof. Dr. Marion Schäfer, Leiterin des Masterstudiengang Consumer Health Care an der Charité, die Voraussetzungen für ein effektives Medikationsmanagement erläutert hatte, stellte Dr. Simone Schreiber als Vertreterin der AG Gesundheit 65 Plus die zehn Forderungen vor, die die AG zum Medikationsmanagement erarbeitet hat. Ein Best-Practice-Beispiel skizzierte Matthias Leu, Direktor internationales Business Development bei der CompuGroup Medical Deutschland AG, anhand des Arzneimittelkontos NRW.

Telemedizinprojekte auf dem Versorgungsprüfstand – Lohnt sich die Skalierung mit dem Innovationsfonds?

Die Ankündigung des Innovationsfonds hat im deutschen Gesundheitswesen zu Aufbruchstimmung geführt. Dies gilt in besonderem Maße für den E-Health-Bereich. Viele Akteure sehen hier einerseits einen großen Nachholbedarf, andererseits gibt es bereits zahlreiche vielversprechende Ansätze, denen der Innovationsfonds zum flächendeckenden Durchbruch verhelfen könnte.

Eine Reihe von Best-Practice-Modellen aus dem Bereich Telemedizin wurden in der dritten AG-Sitzung am 8. September 2015 vorgestellt. Dazu gehörten neben der Echtzeitfernanpassung von Cochlea-Implantaten an der Medizinischen Hochschule Hannover auch die Möglichkeiten zur Therapieoptimierung bei Diabetes Typ 2, die am Deutschen Institut für Telemedizin und Gesundheitsförderung herausgearbeitet wurden. Darüber hinaus wurden Chancen der Telemedizin in der Intensivmedizin für strukturschwache Regionen erläutert und das EU-geförderte Projektvorhaben für eine offene Telemedizinplattform in Ostsachsen vorgestellt. Abschließend erhielten die Teilnehmer einen Einblick in das Deutsche Telemedizinportal.

Best Practice Ärztenetze – Förderung nach § 87b SGB V

Die letzte AG-Sitzung des Jahres stellte am 17. November die neuen Regelungen zur Förderung von Ärztenetzen nach § 87b SGB V in den Mittelpunkt. Zunächst legten Dr. Siegfried Jedamzik vom Ärztenetz GOIN und Michael Steinhaus von MedicBrain Healthcare ihre Erfahrungen im Hinblick auf die Erlangung der Förderfähigkeit dar. Anschließend erläuterte Dr. Carsten Jäger von der Agentur deutscher Arztnetze die Rolle von Ärztenetzen als Innovatoren im Gesundheitswesen. Einen Ausblick auf die Netzlandschaft im Jahr 2025 gab zudem Prof. Dr. Clarissa Kurscheid von der praxisHochschule Köln.

Als festen Bestandteil der Sitzungen etablierten die AGLeiter Ralph Lägel und Prof. Dr. Möws im Lauf des Jahres die Kurz-Präsentation jeweils eines Start-ups aus dem Healthcare-Bereich. In diesem Rahmen wurden die telemedizinische Kommunikationsplattform der flexperto AG und die App Life Time von Connected Health vorgestellt.

Ausblick

2016 steht in der AG Neue Versorgungsformen zunächst eine Fachtagung zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung am 13. April auf dem Programm. Die weiteren drei AG-Sitzungen widmen sich den Umsetzungserfahrungen mit dem Zweitmeinungsverfahren, digitalen Kommunikationsansätzen und den ersten Projekten, die durch den Innovationsfonds gefördert werden.