Arbeitsgruppe Nutzenbewertung und Präferenzmessung

Im Mittelpunkt der AG Nutzenbewertung und Präferenzmessung steht die Frage, wie sich die Entscheidungsfindung im Gesundheitswesen optimieren lässt.

Die Nutzenbewertung stellt mittlerweile eine etablierte Grundlage für Erstattungsentscheidungen bei Arzneimitteln (und demnächst auch Medizinprodukten) dar. Neben der Messung klinischer Effekte bedarf es auch der Bewertung dieser Entscheidungskriterien. Bei der Abwägung von Nutzen und Schaden einer Gesundheitstechnologie bedarf es der Gewichtung der unterschiedlichen Effekte. Obwohl die Berücksichtigung patientenrelevanter Endpunkte ausdrücklich vom Gesetzgeber gewollt ist, werden die Methoden und Ansätze der Präferenzmessung nicht systematisch bei der Entscheidungsfindung eingesetzt.

Den Fragen der Implementierung und methodischen Ausgestaltung widmet sich die AG Nutzenbewertung und Präferenzmessung. In der methodisch ausgerichteten Arbeitsgruppe werden verschiedene Mess- und Bewertungsverfahren unter die Lupe genommen und auf ihre praktische Anwendbarkeit hin überprüft. Zudem begleitet die AG den Diskussionsprozess rund um die Akzeptanz neuer Methoden in der Entscheidungsfindung der Selbstverwaltungsorgane.


Die AG wird geleitet von:

Prof. Dr. Axel C. Mühlbacher

Gesundheitsökonomie und Medizinmanagement, Hochschule Neubrandenburg


Sitzungstermine 2016

Bitte merken Sie sich bereits jetzt die Sitzungstermine der AG im Jahr 2016 vor:

18.07.2016  11.00 – 14.30 Uhr
Thema: „Patient-Reported Outcomes als Maßstab für Qualität?“

Kaum ein Thema hat die gesundheitspolitische Agenda dieser Legislaturperiode so geprägt wie das Thema „Qualität“. Mit Qualitätsverträgen, Qualitätszu-/-abschlägen und qualitätsorientierter Krankenhausplanung hat der Gesetzgeber hier eine Vielzahl neuer Instrumente geschaffen. Doch wie werden diese neuen Instrumente die Patientenperspektive berücksichtigen? Sind Patient-Reported Outcomes methodisch und konzeptionell dafür geeignet, die Patientenperspektive messbar zu machen?  Diesen Fragen widmet sich die Arbeitsgruppe im Juli.
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07.12.2016  11.00 – 15.30 Uhr
Thema: „Multikriterielle Entscheidungsfindung: Methoden und Instrumente“

Die Nutzenbewertung ist mittlerweile eine etablierte Grundlage für die Entscheidungsfindung im Gesundheitswesen. Doch die Anforderung, eine Vielzahl an Kriterien in Entscheidungen einfließen zu lassen, stellt eine neue Herausforderung an die bestehende Methodik dar. In der Sitzung werden wir daher über Methoden und Instrumente der multikriteriellen Entscheidungsfindung diskutieren.


Bericht zur Arbeitsgruppe aus dem Geschäftsbericht 2015

Im Fokus der AG stand 2015 das Thema Patientenbeteiligung in Entscheidungsprozessen der Gemeinsamen Selbstverwaltung. Wie legitimieren sich die Vertreter der Patienteninteressen und welche Informationen benötigen sie vonseiten der Wissenschaft, um (evidenzbasierte) Entscheidungen im Sinne der Patienteninteressen treffen zu können? Diese Frage stand im Fokus einer Veranstaltung am 24.09.2015.

Einen Einblick in die Perspektive eines methodisch-wissenschaftlichen Klinikers gab PD Dr. Jörg Meerpohl, Co-Direktor von Cochrane Deutschland. In der evidenzbasierten Gesundheitsversorgung sollte das Behandlungsziel klar mit einer partizipativen Entscheidungsfindung erreicht werden, die auch die Werte und Präferenzen des individuellen Patienten mit einbezieht. „Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation“ (GRADE) ist ein Ansatz zur Klassifizierung der Qualität von Evidenz, der von über 20 Organisationen weltweit, u. a. von der WHO, angewandt wird. Meerpohl betonte, dass Leitlinienempfehlungen alle Endpunkte berücksichtigen sollten, die für den Patienten von Bedeutung sind. Diese seien vor der Aufarbeitung der Evidenz auszuwählen, sodass die Existenz bereits vorhandener Evidenz die Leitlinienerstellung nicht in eine bestimmte Richtung abfälscht.

Marianne Mühl, Managerin Patient Affairs bei Astra-Zeneca, sieht vor allem IQWiG und G-BA in der Pflicht, die kollektiven Patientenbedürfnisse, insbesondere hinsichtlich der Relevanz von Endpunkten, zu berücksichtigen. So müssten allgemeingültige methodische Grundlagen zur systematischen Erhebung der Perspektive von ganzen Betroffenengruppen zur Verfügung gestellt und von den Entscheidern akzeptiert werden. Nach der Stärkung der Patientenbedürfnisse im SGB V im Jahr 2004 und im Rahmen des AMNOG 2010 könne man das Methodenpapier des IQWiG von 2013 als Rückschritt ansehen, in dem die „Behandlungs- bzw. Patientenzufriedenheit“ als patientenrelevante Zielgröße zunächst gestrichen wurde.

Daran anknüpfend erläuterte Dr. Antje Haas vom GKVSpitzenverband die bereits existierenden Patientenbeteiligungen. Neben der Einbeziehung im G-BA und der Selbstverwaltung, in der die Versichertenvertreter auch die Aufgabe einer Patientenvertretung übernehmen, zeigte sie auf, dass man in der pharmazeutischen Forschung wohl kaum von einer Patientenbeteiligung sprechen könne. Wie sonst ließe sich das Missverhältnis in der Zulassung von Orphan Drugs erklären, die oftmals einen Zusatznutzen attestiert bekämen, jedoch von den Pharmaherstellern kaum zur Prüfung eingereicht würden?

Patientenvertreter Wolf-Dietrich Trenner erläuterte daraufhin, dass Patientenvertreter keine „Entscheider“ seien. Patientenvertretungen seien vielfachen Regelungen unterworfen, wie dem Gebot der Einstimmigkeit oder der Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen. Entscheidungen fallen immer weitgehender im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der sich dabei als “institutionalisierte Vertretung einer ausgewählten Lobby wirtschaftlicher Interessen im Gesundheitssystem“ darstelle. Trenner sprach sich deshalb für ein 4. unparteiisches Mitglied im GBA aus, um die Patientenbeteiligung auf eine neue Ebene zu heben.

Zusammenfassend waren sich die Gesprächsteilnehmer einig, dass die Patientenbeteiligung in ihrer jetzigen Ausgestaltung unzureichend ist, um die Bedürfnisse und Werte der Patienten in ausreichendem Maße zu berücksichtigen. Es muss daher in Zukunft verstärkt der Fokus auf qualitativ und quantitativ hochwertige Evidenz gelegt werden, um dieser Beteiligung ein stabiles Fundament zu legen.