Projektgruppe Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung

Mit der Neufassung des § 116b SGB V hat die Politik Anfang 2012 den dritten Anlauf genommen, die Sektorengrenzen im Bereich der spezialfachärztlichen Versorgung nachhaltig zu überwinden.

Seitdem begleitet die Projektgruppe den Umsetzungsprozess der ASV durch Positionspapiere, den Dialog mit Politik und Gremien der Selbstverwaltung sowie durch fortlaufenden Wissenstransfer an die BMC-Mitglieder.


Die Projektgruppe wird geleitet von:

Prof. Roger Jaeckel

Market Access Director D.A.CH
Baxter Deutschland GmbH


Nächste Termine:

Auf Anfrage. Bitte wenden Sie sich an die BMC-Geschäftsstelle.


Downloads:

ASV_Eckpunktepapier_2015
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Begleitstudie zur Einführung der ASV

Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) wurde im Zuge des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes zum 1.1.2012 eingeführt. Sie soll die ambulante Diagnostik und Therapie bestimmter seltener oder komplexer Erkrankungen umfassen – sowohl durch Krankenhäuser als auch niedergelassene Ärzte bei entsprechender Qualifikation. Zur Erhebung des derzeitigen Umsetzungsstandes in der ASV wurde eine Umfrage unter bereits berechtigten ASV-Teams durchgeführt, an der der Bundesverband Managed Care e.V., der Bundesverband ASV e.V. und die bbw Hochschule beteiligt waren.
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Bericht zur Projektgruppe aus dem Geschäftsbericht 2015

Seit 2011 begleitet die interdisziplinär besetzte Projektgruppe die Einführung der Ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV). 2015 richtete die Projektgruppe den Fokus vor allem auf die Versorgungspraxis: Wie entwickelt sich die Anzahl der ASVTeams zu den verschiedenen Indikationen? Welchen Hürden begegnen die Leistungserbringer? Und wird der Anspruch des Gesetzgebers in der praktischen Umsetzung tatsächlich eingelöst?

ASV-Servicestelle: Ärzte sind unzureichend informiert

Auf der ersten Sitzung des Jahres am 26. Februar 2015 begrüßte die Projektgruppe Dr. Julian Dilling, Abteilung Ambulante Versorgung beim GKV-Spitzenverband, der u. a. für die ASV-Servicestelle zuständig ist. Er konstatierte, dass die versorgungspolitische Bedeutung der bisher verabschiedeten ASV-Indikationen Tuberkulose und Gastrointenstinale Tumoren (GIT) eher gering sei. Dies werde sich mit der Verabschiedung weiterer onkologischer Indikationen ändern. Eine Schwierigkeit stelle für viele Praxen die Erfüllung der Mindestmengenvorgaben dar, wobei die Teams die Mindestmengen in den ersten zwei Jahren um 50 Prozent unterschreiten dürften. Die Fragen, mit denen die ASVServicestelle am häufigsten konfrontiert sei, bezögen sich auf die Antragstellung und insbesondere den Nachweis der Qualifikation der teilnehmenden Ärzte. Problematisch sei in diesem Zusammenhang, dass die Erweiterten Landesausschüsse hier unterschiedliche Kriterien anlegen. Insgesamt, so berichtete Dilling, seien viele Ärzte nicht ausreichend informiert. Bei der Meldung der Teams erhalte die ASV-Servicestelle häufig unvollständige Unterlagen. Im Bereich Tuberkulose versuchten einige Ärzte sogar, eine ASV-Zulassung ohne entsprechendes Team zu erhalten.

Drei Jahre nach Neufassung des § 116b SGB V: 18 zugelassene ASV-Teams

In ihrer zweiten Sitzung am 1. Juli 2015 zog die Projektgruppe eine Zwischenbilanz: Rund dreieinhalb Jahre nach der Neufassung des § 116b SGB V gab es nach Auskunft der ASV-Servicestelle zu diesem Zeitpunkt insgesamt 18 zugelassene ASV-Teams. Für die Indikation GIT waren zehn Teams zugelassen, für weitere zehn Teams lagen noch unvollständige Anträge vor. Im Bereich Tuberkulose waren acht Teams zugelassen, für weitere sieben Teams lagen ebenfalls noch unvollständige Anträge vor.

Erwähnenswert ist dabei die ungleiche regionale Verteilung: Während vier der insgesamt zehn zugelassenen ASV-Teams im Bereich GIT in Nordrhein-Westfalen angesiedelt sind, gab es in neun Bundesländern überhaupt keine Teams. Im Bereich Tuberkulose sind zwei Teams in Hamburg und ein weiteres in der näheren Umgebung von Hamburg angesiedelt. In acht Bundesländern gab es keine Teams.

Hochschulambulanzen: Leistungserbringung nach § 117 SGB V attraktiver als die ASV?

Die Sicht von Universitätskliniken auf die neue Versorgungsform stellten Roland Kurney und PD Dr. Joachim Seybold von der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie Ralf Heyder vom Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) auf der Sitzung der Projektgruppe am 13. Oktober dar.

Obwohl in der Charité pro Jahr 722.000 ambulante Fälle behandelt werden, seien diese derzeit kein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor, so Roland Kurney, Leiter des Unternehmenscontrollings der Charité. Die Summe aller ambulanten Fälle stelle sich insgesamt mit deutlichem Verlust dar, auch die ASV werde aktuell bei finanzieller Unterdeckung betrieben.

Mittlerweile würden von einem Maximalversorger aber auch ambulante Leistungen erwartet, erklärte PD Dr. Joachim Seybold, Stellv. Ärztlicher Direktor der Charité. Das stationäre Fallaufkommen müsse gesichert und die reibungslose Überführung in den ambulanten Bereich am Ende einer stationären Behandlung ermöglicht werden. Die ASV sei hierfür ein Baustein, da sie die Weiterversorgung komplexer Fälle im universitären Umfeld ermögliche. Die dafür nötigen Kooperationsansätze im Sinne des § 116b SGB V seien bereits in der Vergangenheit etabliert worden, wie das interdisziplinäre Behandlungskonzept der CCCC (Charité Comprehensive Cancer Center). Ferner seien erfolgsversprechende Startstrukturen wie die Kooperationsbereitschaft zwischen dem MVZ der Charité und der Charité selbst bereits gegeben gewesen. Alles in allem leide die ASV allerdings an einem enorm hohen bürokratischen Aufwand. Es würden Nachweise der Mindestmengen verlangt und es existierten unterschiedliche Auffassungen der erweiterten Landesausschüsse zur ASV-Richtlinie, sodass sich das Antragsverfahren leicht auf sechs Monate ausdehnen könne. Zudem stelle die ASV hohe Anforderungen an die Anpassung der IT und die Abrechnung der Leistungen.

Dieser Kritik schloss sich Ralf Heyder, Generalsekretär des Verbands der Universitätsklinika (VUD), an, der dem § 116b SGB V zahlreiche ordnungspolitische und administrative Defizite unterstellte: Es würden Doppelstrukturen aufgebaut und Zwangskooperationen etabliert. Ein massiver Bürokratieschub sei die Folge. Auch die Begrenzung auf den EBM und die schwerfällige Richtlinien-Entwicklung durch den G-BA hält er für unüberwindbare Schranken für eine erfolgreiche Anwendung der ASV.

Im Fazit klassifizierte Heyder die Leistungserbringung nach § 117 SGB V für eine dem § 116b SGB V in allen Punkten überlegene Möglichkeit für Hochschulkliniken, ambulante Leistungen zu erbringen. Die Leistungen würden hier bisher komplett dezentral verhandelt – es existieren keine Bundesvorgaben zu Preis und Menge. Unter dem Zweck der Forschung und Lehre erfolge ferner keine medizinisch-inhaltliche Beschränkung auf schwere Verlaufsformen. Die Vergütung werde vertraglich zwischen einer einzelnen Uniklinik und den Kassen gemeinsam und einheitlich geregelt. In der Regel werde über eine Fallpauschale abgerechnet und ein Überweisungsvorbehalt vertraglich vereinbart.

Hoher Aufwand bei der Entwicklung des Bereinigungsverfahrens

Als weiterer externer Gast gewährte Dr. Thorsten Vogel vom Institut des Bewertungsausschusses einen Einblick in das ASV-Bereinigungsverfahren. Das Gesetz sieht aufgrund der ASV eine Bereinigung der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung vor. Das Bereinigungsvolumen bestimmt sich dabei aus dem Produkt der Anzahl der in der ASV behandelten Patienten (von Krankenkassen geliefert) und der durchschnittlichen indikationsspezifischen historischen Leistungsmenge je Patient (beim InBA vorliegende Daten). Kompliziert wird das Verfahren nicht zuletzt durch die Berücksichtigung der nach dem alten § 116b SGB V bereits im Krankenhaus erbrachten ambulanten Leistungen. Im Verhältnis zum Aufwand für die Bereinigungsverhandlungen sei das bisher im Rahmen der ASV bereinigte Volumen verhältnismäßig gering. Jedoch gehe man davon aus, dass das Volumen eine signifikante Größe erreicht, wenn weitere Richtlinien zu onkologischen Erkrankungen in Kraft getreten seien.

Ausblick

Die Projektgruppe wird ihre Arbeit auch 2016 weiter fortsetzen. Geplant ist u. a. eine Umfrage unter den zugelassenen ASV-Teams zur ASV-Versorgungspraxis. Die Ergebnisse sollen im Rahmen eines Fachbeitrags publiziert werden.

Mitarbeit der Projektgruppe auf Anfrage.