Der BMC-Jahreskongress: Patientenorientierung durch Wettbewerb

 


Dienstag, 14. Februar 2012

Zum zweiten Mal hat der Bundesverband Managed Care e.V. mit seinem Jahreskongress am 24. und 25. Januar 2012 wesentliche Teile der Gesundheitswirtschaft in Berlin versammelt. Der große Erfolg unserer Leuchtturmveranstaltung spricht für die Bekanntheit, die Akzeptanz und damit für die Qualität des BMC. In 12 thematischen Foren sowie mehreren Podiumsdiskussionen und Vortragsrunden mit namhaften Vertretern der Fachszene erhielten die Besucher Antworten auf die drängenden Herausforderungen der deutschen Gesundheitspolitik – allen voran auf die Frage: wie viel Konkurrenz unter Leistungsanbietern macht Sinn – und verbessert sie tatsächlich die Versorgungssituation der Versicherten?


Überzeugt von einem Wettbewerb der Anbieter zeigte sich die vom BMC eingeladene Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, Ulrike Flach. Allerdings, hob die Bundestagsabgeordnete mit Nachdruck hervor, müsse ein solcher Wettbewerb einen Mehrwert für den Konsumenten, also den Patienten, schaffen und bessere Wege für die Behandlung einer Krankheit aufzeigen. Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz gehe hier in die richtige Richtung, glaubt Flach. Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Barmer GEK und Vorstandsmitglied des BMC, ließ in seiner Rede keinen Zweifel daran, dass seine Kasse derlei Wettbewerbsinstrumente im aktuellen Gesetz NICHT erkenne. „Ich sehe hier keinerlei vertragliche Inspiration“, kritisierte Schlenker. Beim GKV-VStG handele es sich um ein Weiterentwicklungsgesetz – allerdings „ohne Impulse für Patientenorientierung durch Wettbewerb“.


Kaum Einigkeit über das richtige Maß und die damit erzielte Wirkung von Wettbewerb im Gesundheitswesen bestand unter den vom BMC geladenen Gesundheitspolitikern von CDU/CSU, SPD, FDP sowie von den Grünen und LINKEN. Während die SPD- Bundestagsabgeordnete Dr. Carola Reimann in der Politik ihrer Partei durchaus wettbewerbliche Ansätze vertreten sah, konnte der FDP-Bundestagsabgeordnete und Arzt Dr. Erwin Lotter derlei Ansätze nicht erkennen. „Ich habe mich als Arzt während der Zeit von Ministerin Ulla Schmidt sehr reglementiert gefühlt“, sagte das Mitglied im Landesfachausschuss Gesundheit Baden-Württemberg. Für die Grünen-Bundestagsabgeordnete Birgitt Bender wiederum zählt einzig der Wettbewerb um Beiträge und um Versorgungsqualität; für den CDU-Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen hat Wettbewerb in Qualitätsfragen nichts zu suchen, für die LINKE im gesamten Gesundheitssystem nicht, betonte deren Bundestagsabgeordnete Dr. Martina Bunge.


Wenig Begeisterung für die Arbeit der derzeitigen Bundesregierung äußerten die Kongressteilnehmer. In einer TED-Umfrage, an der 253 Besucher des Kongresses teilnehmen, bewerteten 32 Prozent die bisherige Arbeit der Bundesregierung lediglich als „ausreichend“ (Schulnote 4). 29 Prozent befanden die Arbeit sogar als „mangelhaft“ (Schulnote 5).


Warum das kanadische System von den dortigen Patienten bessere Schulnoten erhält, obwohl der Einfluss des Staates sehr stark ist, erläuterte der „Special Guest“ des BMC-Jahreskongresses, Stephen Samis. Dem Vize-Präsidenten der Canadien Health Services Foundation zufolge trägt nicht nur die hohe Kostendeckung durch die staatliche Krankenversicherung zur Zufriedenheit der Patienten bei – 70 Prozent der Behandlungskosten werden durch Medicare abgedeckt.  Auch die Lösung des Problems der schwer zu versorgenden Regionen habe das kanadische Gesundheitssystem nach vorne gebracht. Durch die Weiterentwicklung der Telemedizin, materielle Anreize für Ärzte, die stärkere Delegation ärztlicher Leistungen an Pflegeberufe  und die gezielte Ausbildung künftiger Landärzte werden inzwischen auch Patienten in abgelegenen Regionen Kanadas gut versorgt, berichtete Samis.


Der BMC-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Volker Amelung verwies auf ein weiteres Erfolgsmodell aus dem Ausland. „Was das Schweizer Parlament in seiner aktuellen Gesundheitsreform beschlossen hat, muss auch auf Deutschland übertragbar sein“, lobte Amelung die Vorgabe des dortigen Gesetzgebers, den Anteil der Versicherten in integrierten Versorgungsmodellen von heute 13 Prozent auf 60 Prozent bis 2015 zu erhöhen.  Beispiele für den Erfolg des Einsatzes von Managed Care Modellen gaben Redner während des BMC-Forums „Patientenorientierung durch Wettbewerb – Vorbild Schweiz?“.

 
So verwies Dr. Jürg Vontobel, Mitglied der Geschäftsleitung der Schweizer CONCORDIA, darauf, dass sich 2011 71 Prozent der Versicherten in der Schweiz für ein Managed Care Modell entschieden haben. Als Grund für diese Abstimmung gab Vontobel in erster Linie den harten Preiswettbewerb in der Schweiz und die günstigeren Preise für Versicherte im Rahmen von Managed Care Verträgen an.  Darüber hinaus hat die Integrierte Versorgung anders als in Deutschland in der Schweiz eine lange Geschichte – über 20 Jahre wird im Nachbarland bereits mit innovativen Versorgungsmodellen gearbeitet, erläuterte Dr. Peter Berchtold, Präsident des Forums Managed Care Schweiz.


Wegweisende  Leuchtturmprojekte aus dem Bereich der Integrierten Versorgung gibt es aber auch hierzulande, fasste Ralf Sjuts, Vorstandsmitglied des BMC, die Ergebnisse des Forums „Organisationsmodelle der Zukunft: Kooperation ambulant – stationär“ zusammen. Beispiel: die  MVZ-ADTC GmbH, Düsseldorf. Wichtig für den Erfolg des Medizinischen Versorgungszentrums der Rhön-Klinikum AG sei in erster Linie die gute IT-Infrastruktur, berichtete Dr. Ruth Kölb-Keerl, Augenärztin am MVZ. Dies bestätigte auch der Geschäftsführer und Gründer der POLIKUM-Gruppe, Dr. Wolfram Otto. Nur durch die IT-Vernetzung mit digitaler Patientenakte konnte es gelingen, die Patientenversorgung durch inzwischen 420 Mitarbeiter an 12 MVZs zu koordinieren, unterstrich Otto während des BMC-Forums. Zu den weiteren Themen des Kongresses gehörten neben den Strategien für schwer zu versorgenden Regionen und der sektorübergreifenden Kooperation auch individualisierte Therapien in der Arzneimittelversorgung, Prävention, Patientenempowerment, Pflege, Selbstverwaltung, Ärztenetze und Evaluation.


Die umfassende Presseresonanz zeigte, wie sehr der BMC im politischen Berlin etabliert ist. „Der BMC, der in diesem Jahr sein 15. Gründungsjubiläum feiert, hat sich […] eine führende Position erarbeitet und stellt die neue Plattform bereit: Wo finden denn sonst die Diskussionen, z.B. zur sektorenübergreifenden Versorgung, statt?“, schreibt der Gesundheitspolitische Informationsdienst. Neben ausführlichen Artikeln, beispielsweise in kma und G+G, berichtete die Ärztezeitung am 26. Januar auf ihrer Titelseite.


BMC-Termine

 

Mai 2012


Mittwoch, den 23.05.2012
Hintergrundgespräch
Thema: "Ergebnisse der Studie zur Vernetzung im Gesundheitswesen ("Connect Health")

 

Mittwoch, den 30.05.2012
Hintergrundgespräch
Thema: „Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung nach § 116 b SGB V – Auswirkungen des Versorgungsstrukturgesetzes (VStG)“ mit Dr. jur. Rainer Hess (G-BA)


Juni 2012

Mittwoch, den 06.06.2012
AG Neue Versorgungsformen
Thema: "EPIVISTA-IV-Vertrag zur Epilepsiversorgung - erste Ergebnisse"

Donnerstag, den 21.06.2012
Hintergrundgespräch

Thema: "Faktencheck Gesundheit - Regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung"


Juli 2012

Dienstag,den 03.07.2012
4. Fachtagung des BMC-Regional NRW "Regionale Potenziale des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes"


Mittwoch, den 04.07.2012
BMC-Fachtagung in Berlin
"Strategien für schwer zu versorgende Regionen"


September 2012

Dienstag, den 11.09.2012
AG Neue Versorgungsformen
Thema: "Neue Versorgungsformen für ältere Generationen"


November 2012

Dienstag, den 20.11.2012
AG Neue Versorgungsformen
Thema: "Spezialfachärztliche Leistungen und neue Versorgungsstrukturen"