Das digitale Zeitalter wartet nicht – wo müsste sich das Gesundheitswesen bewegen?

Rund 700 Teilnehmer diskutierten an zwei Kongresstagen über Managed Care im digitalen Zeitalter.

„Die Digitalisierung ist ein Gewinn für unser Gesundheitswesen. Schon heute verbessern digitale Anwendungen wie die Telemedizin die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen, sie schaffen die Voraussetzungen für bessere Diagnoseverfahren und maßgeschneiderte Behandlungen von Krankheiten.“ Mit diesen Worten begrüßte Lutz Stroppe, Staatssekretär des Bundesministeriums für Gesundheit, die Gäste auf dem 8. Jahreskongress des Bundesverbands Managed Care e.V. (BMC). Ein verbessertes Management der Gesundheitsversorgung zu Zeiten der Digitalisierung war Hauptthema des Kongresses, welcher nach zwei Tagen mit rund 700 Teilnehmern und einer begleitenden Fachausstellung in Berlin am gestrigen Mittwoch zu Ende ging. Stroppe hob gleichzeitig hervor: „Die Digitalisierung stellt uns aber gleichfalls vor immer neue Abgrenzungsfragen, denn nicht alles, was technologisch machbar ist, ist auch ethisch vertretbar oder zielführend. Die Wirkungen einer zunehmenden digitalen Gesundheitsversorgung auf unser Bild von der Würde des Menschen, auf Selbstbestimmung und Solidarität untersuchen vier vom BMG geförderte Projekte in dieser Legislaturperiode.“

Das digitale Zeitalter beschleunigt die Marktpenetration mit Innovationen, doch wie stellt man sicher, dass das Gesundheitssystem nicht den Anschluss an diese digitale Transformation verpasst? Mit diesem Gedankengang eröffnete Volker Amelung, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Managed Care e.V. den Kongress. Einerseits zeichne sich der Teilbereich der Medizin durch eine ausgewiesen starke Innovationskraft aus, andererseits stehe das Gesundheitswesen jedoch vor der Herausforderung, sich an diese neuen Strukturen anzupassen. Es fehle an wichtigen Stellen an Handlungsdruck und Transparenz, langhergebrachte Monopole träfen auf Akteure, die keinen Veränderungswillen- und bedarf mit sich brächten.

Der BMC-Kongress gilt seit einigen Jahren als eine der wichtigsten gesundheitspolitischen Veranstaltungen. Bereits im achten Jahr setzte der Kongress als Plattform für alle Akteure des Gesundheitswesens zum Jahresbeginn versorgungspolitische Impulse. Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx regte die Zuhörer in seiner Keynote zum Nachdenken an und entwickelte gemeinsam mit ihnen Fragen: Wearables könnten gesundheitsfördernd sein oder als Elektroschrott in der Schublade enden; Daten könnten Zusammenhänge verständlich machen, doch seien sie kein Wissen; Roboter könnten Menschen pflegen, doch sei das wirklich unser Ziel? Wir sprächen von einem Gesundheitssystem, das doch letztlich nur mit Krankheiten beschäftigt sei; die menschliche Komponente, die Bedeutung von Beziehungen müsse verstärkt in den Fokus rücken.

Keynote-Referenten und Plenumsdiskussionen standen im Fokus des ersten Kongresstags. Am Folgetag beschäftigten sich Gäste und Referenten in verschiedenen Workshop-Formaten unter anderem mit internationalen Best Practice Ansätzen und deren Übertragbarkeit in das deutsche System sowie der Evidenzgenerierung und Evaluation von digitalen Anwendungen. Die Grenzen des deutschen Gesundheitswesens in seiner aktuellen Ausgestaltung sowie die Entwicklung hin zu einer Verzahnung verschiedener Sozialsysteme wurden kontrovers diskutiert. Dabei kamen auch neue Veranstaltungsformate zum Einsatz, zum Beispiel im Symposium für zukünftige Führungskräfte, bei dem mit Pecha-Kucha-Präsentationen und Fishbowl-Diskussionen die digitale Transformation in Organisationen im Fokus stand.