Welche neuen Versorgungsmodelle werden gefördert?

Welche neuen Versorgungsformen und Versorgungsmodelle werden gefördert?

Förderkriterien für den Innovationsfonds nach § 92a Abs. 1 SGB V

Förderkriterien gem. § 92a Abs. 1 SGB V für den Innovationsfonds

Die zu fördernden neuen Versorgungsformen (aus dem „Topf“ mit € 225 Mio. p.a.) sollten gemäß § 92a Abs. 1 SGB V

  • über die bisherige Regelversorgung hinausgehen,
  • eine Verbesserung der sektorenübergreifenden Versorgung zum Ziel haben,
  • hinreichendes Potential aufweisen, dauerhaft in die Versorgung aufgenommen zu werden
  • eine wissenschaftliche Begleitung und Auswertung beinhalten
  • in der Regel eine Krankenkasse beteiligen.

Die ersten Förderbekanntmachungen (Abgabefrist war der 5. Juli 2016) enthielten für den Bereich „Neue Versorgungsformen“ folgende Themenschwerpunkte:

  • Versorgungsmodelle in strukturschwachen oder ländlichen Gebieten
  • Modellprojekte zur Arzneimitteltherapie sowie Arzneimitteltherapiesicherheit
  • Versorgungsmodelle unter Nutzung von Telemedizin, Telematik und E-Health
  • Versorgungsmodelle für spezielle Patientengruppen:
    • ältere Menschen
    • Menschen mit psychischen Erkrankungen
    • pflegebedürftige Menschen
    • Kinder und Jugendliche
    • Menschen mit seltenen Erkrankungen

Am 1. Dezember 2016 wurden die 29 Projekte bekannt gegeben, die im Rahmen dieser ersten Ausschreibung einen Zuschlag erhalten haben. Bei 15 der 29 Projekte liegt die Konsortortialführung bei einem Uniklinikum, 7 Projekte wurden von Krankenkassen oder ihren Verbänden federführend beantragt, weitere Antragsteller sind KVen und Unternehmen. Die vollständige Übersicht findet sich auf der Website des Innovationsausschusses.

Am 11. Mai 2016 wurde die 2. Runde der Förderbekanntmachungen für neue Versorgungsmodelle veröffentlicht. Deren Themen lauten:

  • Modelle mit Delegation und Substitution von Leistungen
  • Auf- und Ausbau der geriatrischen Versorgung
  • Verbesserung der Kommunikation mit Patientinnen und Patienten und Förderung der Gesundheitskompetenz
  • Versorgungsmodelle für Menschen mit Behinderungen

Abgabefrist für die 2. Runde war der 19. Juli 2016.

Für den Bereich Versorgungsforschung wurden folgende Schwerpunkte definiert:

  • Weiterentwicklung der Qualitätssicherung und Patientensicherheit in der Versorgung
  • Verbesserung von Instrumenten zur Messung von Lebensqualität für bestimmte Patientengruppen
  • Innovative Konzepte patientenorientierter Pflege unter besonderer Berücksichtigung der Arbeitsteilung und der Schnittstellen sowie der Integration ausländischer anerkannter Pflegefachkräfte in den Versorgungsalltag
  • Verbesserung der Bedarfsgerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit der GKV-Versorgung
  • Ursachen, Umfang und Auswirkungen administrativer und bürokratischer Anforderungen im Gesundheitswesen auf die Patientenversorgung sowie Entwicklung geeigneter Lösungsansätze
  • Einsatz und Verknüpfung von Routinedaten zur Verbesserung der Versorgung

Diese Liste ist nicht als abschließend anzusehen. Genaue Bestimmungen über die zu fördernden Themen und Kriterien, die an eine Förderung gestellt werden, sind in den jeweiligen Förderbekanntmachungen festgelegt.
Inhaltlich bezieht sich die Förderung weitestgehend auf Versorgungsdefizite im Rahmen des SGB V. Vorhaben, die primär auf die Verbesserung von Prozessen und Strukturen im Bereich des SGB XI (Soziale Pflegeversicherung), SGB IX (Gesetzliche Rentenversicherung) oder anderer Sozialgesetzbücher abzielen, fallen nicht in das Förderspektrum.

Am 1. Dezember 2016 gab der Innovationsausschuss bekannt, dass im Rahmen der ersten Welle 62 Projekte zur Förderung ausgewählt wurden. Die vollständige Liste der ausgewählten Versorgungsforschungsanträge findet sich auf der Website des Innovationsausschusses.

Gefördert werden aus dem Innovationsfonds ausschließlich die Kosten, die nicht bereits in die Vergütungssysteme der Regelversorgung fallen. Das heißt: Medizinische Leistungen, Investitionskosten oder Verwaltungsausgaben, deren Vergütung bereits im Rahmen des SGB V abgegolten sind, können nicht durch Gelder aus dem Innovationsfonds finanziert werden. Auch Produktinnovationen sind von der Förderung ausgeschlossen. Investitions- und projektbegleitende Entwicklungskosten können wiederum gefördert werden, soweit sie unmittelbar für die Umsetzung des medizinischen Konzeptes unabdingbar und wirtschaftlich im Verhältnis zu dem geförderten Versorgungsprojekt sind. Die förderfähigen Kosten werden dabei zu 100 Prozent übernommen, die Leistung eines Eigenanteils durch den Antragsteller ist nicht vorgesehen.

 

Welche Vorhaben der Versorgungsforschung werden gefördert?

Die zu fördernden Versorgungsforschungsvorhaben (aus dem „Topf“ mit € 75 Mio. p.a.) sollten „auf einen Erkenntnisgewinn zur Verbesserung der bestehenden Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgerichtet sein“. Als mögliche Beispiele werden benannt:

  • Forschungsvorhaben zur Weiterentwicklung und insbesondere Evaluation der Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses
  • Evaluation von Versorgungsverträgen, die nach der Alt-Fassung der §§ 73c und 140a SGB V geschlossen wurden
  • Forschungsvorhaben, die konkret auf eine Verbesserung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgerichtet, von hoher praktischer Relevanz sind und eine besondere Nähe zur praktischen Patientenversorgung haben.

Gefördert werden die für das Vorhaben benötigten Sach- und Personalkosten, sowie Investitionen, die nicht der Grundausstattung der Forschungseinrichtung zuzuordnen sind. Weiterhin förderfähig sind Kosten, die unmittelbar für die Umsetzung des Forschungsvorhabens unabdingbar und wirtschaftlich im Verhältnis zu dem geförderten Versorgungsforschungsprojekt stehen.

 

Wer kann einen Antrag auf Förderung stellen?

Antragsberechtigt zur Förderung neuer Versorgungsformen, sind alle rechtsfähigen und unbeschränkt geschäftsfähigen Personen und Personengesellschaften. Zur Antragsstellung ist es in der Regel notwendig, eine Krankenkasse zu beteiligen. Wird keine Krankenkasse hinzugezogen, muss begründet werden, inwiefern das Vorhaben dennoch zur Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung angewendet und dort entsprechend evaluiert werden kann.
Der Personenkreis, der einen Förderantrag für ein Versorgungsforschungsvorhaben stellen kann, ist grundsätzlich unbeschränkt. Bevorzugt sind jedoch universitäre und nichtuniversitäre Forschungseinrichtungen.