Arbeitsgruppe Plattform Versorgungssteuerung

Unter dem Dach der Plattform Versorgungssteuerung werden im BMC Aktivitäten gebündelt, die sich mit Themen aus der unmittelbaren Versorgungspraxis beschäftigen. Dazu gehören Entlassmanagement, Case Management und Patientencoaching ebenso wie E-Health-Angebote, die eine patientenorientierte Versorgung stärken.


Die AG wird geleitet von:

Deimel-DominikDr. Dominik Deimel

Geschäftsführender Gesellschafter,
com2health GmbH


Bericht zur Arbeitsgruppe aus dem Geschäftsbericht 2014

Unter dem Dach der AG Plattform Versorgungssteuerung werden im BMC Aktivitäten sowie Projekt- und Arbeitsgruppen gebündelt, die sich mit Themen aus der unmittelbaren Versorgungspraxis beschäftigen. Dazu gehören Entlassmanagement, Case Management und Patientencoaching ebenso wie eHealth-Angebote, die eine patientenorientierte Versorgung stärken.

Dass eHealth-Anwendungen die Qualität und Effizienz von Versorgungsprozessen steigern können, ist weitgehend unbestritten. Dank vernetzter Strukturen und standardisierter Prozesse lassen sich beispielsweise Doppeluntersuchungen vermeiden, Therapien aufeinander abstimmen und administrative Abläufe vereinfachen. Doch ist für viele Akteure, wie beispielsweise Ärzte, der individuelle Nutzen, den eHealth-Technologien bringen könnten, nicht sichtbar. Denn wer heute nicht aktiv in entsprechende Versorgungsmodelle eingebunden ist, erfährt auch nichts zu deren Potenzialen für die verbesserte Gestaltung der eigenen Aufgaben.

Veranstaltungsreihe “Telematik und Telemedizin — Ideale Grundlage für eine vernetzte und patientenorientierte Gesundheitsversorgung”

Um die Akteure für diese Problematik zu sensibilisieren und Wissenslücken zu füllen, führte die AG Plattform Versorgungssteuerung in Kooperation mit der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH 2014 die Veranstaltungsreihe “Telematik und Telemedizin — Ideale Grundlage für eine vernetzte und patientenorientierte Gesundheitsversorgung” durch.

Bartmann: Entscheidender Schub für eHealth-Technologien wird von den Patienten kommen

Den Auftakt der Reihe bildete im März ein Hintergrundgespräch mit Dr. Franz-Josef Bartmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein zum Thema „Welchen individuellen Nutzen bietet eHealth für die Akteure des Gesundheitswesens?“ Bartmann verdeutlichte zu Beginn seiner Ausführungen, dass der Entwicklungsstand von Telemedizin in Deutschland nicht der immer wieder beklagten Defizitwahrnehmung entspreche. Dabei verwies er auf die Bereiche Teleradiologie und Telepathologie, in denen bereits vielfach mit telemedizinischen Anwendungen gearbeitet werde. Die Ärzte nehmen in besagten Anwendungsfeldern den Nutzen der Technologie unmittelbar wahr, was für deren Durchsetzung maßgeblich verantwortlich sei. Für Bartmann war aber auch klar, dass der entscheidende Schub für eine flächendeckende Anwendung von eHealth-Technologien nicht von der Selbstverwaltung oder politischen Initiativen ausgehen werde, sondern von den Erwartungen und Forderungen der Patienten. Wenn Patienten eine koordinierte Behandlungen und eine bessere Abstimmung der Therapie nachfragen, werden in der Konsequenz auch die Organe der Selbstverwaltung reagieren, so Bartmann.

In der anschließenden Diskussion zeigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin einig, dass ergänzende Unterstützung der Medizin durch Technologie erstrebenswert sei und angesichts der Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung keine Zeit bleibe, auf bereits vorhandene Lösungsansätze zu verzichten. Um die Breite der Ärzteschaft von den vielfältigen Vorteilen der Vernetzung zu überzeugen, seien nicht allein finanzielle Vorteile in den Vordergrund zu rücken, sondern vielmehr auch praktische Aspekte der Arbeitsgestaltung.

WissensUpdate: Grundlagen von Telematik, Telemedizin und eHealth

Im Mai 2014 folgte das WissensUpdate “eHealth for Beginners”. In dem Seminar vermittelten Beatrix Reiß und Lars Treinat anschaulich die Grundlagen von Telematik, Telemedizin und eHealth. Sie erläuterten, wie eHealth-Anwendungen zur Lösung von Herausforderungen im Gesundheitswesen beitragen können, beispielsweise in der Versorgung von chronischen Erkrankten (Telemonitoring), für die Versorgung in strukturschwachen Regionen (Telesprechstunden) und in der Qualitätssicherung (elektronische Dokumentationssysteme, Telekonsile etc.). Am Ende der Veranstaltung hatten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zudem einen Überblick darüber gewonnen, was sich hinter Konzepten wie elektronischer Gesundheitskarte und elektronischem Heilberufeausweis, eArztbrief und eRezept sowie telemedizinischen Anwendungen wie Telemonitoring, Telekonsil und GesundheitsApps verbirgt. Auch in die Themen Datenschutz und IT-Sicherheit gaben die Referenten einen ersten Einblick.

Müschenich: Ambulant, stationär, online

Im Rahmen eines weiteren Hintergrundgesprächs im Juni warf Dr. Markus Müschenich einen Blick in den digitalen Raum der neuen Möglichkeiten. So kann bereits heute durch das Monitoring von Vitaldaten per Remote-Zugriff bei Patienten mit Herzinsuffizienz die Zahl der Krankenhauseinweisungen reduziert werden. Diabetiker genießen dank neuer Apps zur Erfassung und Übermittlung der Blutzuckerwerte deutlich mehr Mobilität und Lebensqualität. Gleichzeitig, so konstatierte Müschenich, sei das Gesundheitswesen schwerfällig, wenn es um Veränderungen gehe. Komplexe Vergütungssystematiken, lange Wege zur Einführung von neuen Abrechnungsziffern, die in Deutschland stark ausgeprägte Datenschutz-Sensibilität und nicht zuletzt die fehlenden Wettbewerbsanreize verzögern, dass (technische) Innovationen sich kurzfristig etablieren.

Unabhängig davon drehe sich die Welt außerhalb dieses Systems allerdings weiter. Auch Venture-Capital-Unternehmen haben in inzwischen die Gesundheitsbranche für sich entdeckt. Ergebnisse solcher Partnerschaften zwischen innovativen Denkern und finanzkräftigen Investoren sind webbasierte Anwendungen wie beispielsweise die caterna-Sehschulung: Patienten mit Amblyopie erhalten Zugang zu einer Therapieplattform, auf der im Vordergrund Spiele gespielt werden, während im Hintergrund Lichtreize die Heilung der Sehstörung fördern. Der Augenarzt, der die Therapie verordnet, begleitet diese online. Hier wird das Internet nicht mehr nur als Medium für schnelle Datenübertragung genutzt, sondern die Anwendung wird zu einem eigenständigen Therapieelement. Denkt man diese Entwicklung weiter, könnte die Gliederung unserer Versorgung in ambulant und stationär über kurz oder lang abgelöst werden von offline und online als relevante Orte der Leistungserbringung.

2015: Konsequenzen des E-Health-Gesetzes für die Versorgungspraxis

Neben der Durchführung der Veranstaltungsreihe war die Plattform Versorgungssteuerung maßgeblich an der Entwicklung einer BMC-Stellungnahme zum Thema eHealth beteiligt. Vor dem Hintergrund des aktuellen Entwurfs zum E-Health-Gesetz wird sich die Plattform Versorgungssteuerung auch 2015 intensiv mit dem Thema eHealth und den praktischen Konsequenzen der Reform auf die Versorgung auseinandersetzen.