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8. Fachtagung „Versorgung alter und kranker Menschen – Wertanamnese und Reformbedarf“

8. Fachtagung „Versorgung alter und kranker Menschen – Wertanamnese und Reformbedarf“

Veranstaltungsbericht
Am 29.09.2015 fand die 8. Fachtagung „Versorgung alter und kranker Menschen – Wertanamnese und Reformbedarf“ des BMC Regional NRW im Plenarsaal der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in Dortmund statt. Die Teilnehmer, bestehend aus Vertretern der Krankenkasse, Kassenärztlichen Vereinigung und anderen Akteuren aus dem Gesundheitswesen folgten interessiert den Vorträgen der sechs Referenten und diskutierten mit den ausgewiesenen Experten über die aktuelle sowie die zukünftige Versorgung und einer notwendigen Reform hinsichtlich der Pflege alter und kranker Menschen.

Prof. Dr. med. Ralf-Joachim Schulz, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie in Köln, startete mit seinem Vortrag „Versorgung geriatrischer Patienten – aktuelle und künftige Herausforderungen“ in den 1. Veranstaltungsblock der Impulse aus Wissenschaft, Politik und Systemforschung. Er informierte zunächst über die aktuelle Situation in der stationären Versorgung. Diese sei ineffizient, da geriatrische Patienten oftmals nicht als solche eingestuft und somit nicht richtig versorgt würden. Darüber hinaus sei problematisch, dass die Pflege bzw. medizinische Versorgung alter Menschen personal- und kostenintensiv sowie IT-unterstützende Pflege nur bedingt hilfreich sei. Bei stetig steigendem Bedarf und sinkender Mittel müsse die Patienten- und Bedarfsorientierung stärker erkannt und vermittelt werden.

Mit ihrem Vortag „Politik-Impulse für ein geriatrieorientiertes Gesundheitssystem – was soll sich ändern, was soll Bestand haben?“ informierte Dr. Daisy Hünefeld, MBA, Vorstandsvorsitzende Qualitätsverbund Geriatrie Nord-West-Deutschland e.V. und Vorstand der St. Franziskus-Stiftung in Münster, über zwingende Diversifikationen von und in Krankenhäusern. Daraus resultiere eine ebenso zwingende Kooperation sowohl auf vertikaler wie horizontaler Ebene. Vernetzungen mit selbstständigen Ärzten einerseits sowie Kooperationen innerhalb des Verbundes und mit den Verbundpartnern andererseits seien notwendig. Kooperationen im medizinischen sowie im infrastrukturellen Bereich seien anzustreben, um Synergien und eine enge Interaktion der Ärzte zu schaffen.

An die zwingende Kooperation der am Gesundheitswesen beteiligten Akteure schließt sich der Vortrag von Prof. Dr. Volker Amelung, Schwerpunktprofessur für Internationale Gesundheitssystemforschung an der Universität Hannover, „Finanzierung geriatrischer Versorgung als pars pro toto – Reformimpulse für das deutsche Gesundheitssystem“ an. Er zeigte eine Ineffizienz der Versorgungsfinanzierung auf, welche durch Kooperation von health und social care verhindert werden könne. In diesem Zusammenhang sei die Installation eines “Scouts“ sinnvoll, der als Schnittstelle zwischen den unterschiedlichen Akteuren und als Ansprechpartner des Patienten zu verstehen sei. Schließlich resümierte Amelung, dass der durch das Versorgungsstärkungsgesetz bevorstehende Innovationsfonds voraussichlich die prognostizierte Kostenexplosion, aufgrund zunehmend multimorbider Patienten, nicht dämpfen könne.

Im zweiten Block der Fachtagung, Versorgungsexzellenzen und ihre Empfehlungen, startete Dr. Thomas Hermens, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie DDG in Wesel. Bereits zu Beginn seines Vortrages „Was an der Basis gebraucht wird – Handicaps und Lösungsvorschläge der Versorgung von Patienten mit höherem Alter aus Sicht des Praktikers“ wies der niedergelassene Arzt auf eine unzureichende Qualität der Hausärzte hinsichtlich der Versorgung geriatrischer Patienten und auf ein fehlendes Casemanagement hin. Im Weiteren stellte er die Konzepte der Geriatrischen Institutsambulanz (GIA) und der geriatrischen Schwerpunktpraxen vor. Abschließend forderte Dr. Hermens eine Reform zur Leistungsabbildung im EBM sowie die Möglichkeit der Niederlassung mit dem Schwerpunkt Geriatrie, um so dem notwendigen Faktor „Zeit“ gerecht zu werden und eine weitreichende Delegation an Fachangestellte zu ermöglichen.

Mit ihrem Vortrag „Erfolgsfaktoren für ein kommunales Quartiersmanagement“ stellte Rita Mitic, Amt für Soziales, Wohnen und Integration sowie Quatiers- und Netzwerkentwicklung der Stadt Ratingen, das Konzept des kommunalen Quartiers vor. Ihrer Ansicht nach seien vor allem Kommunen und Bürger in der Pflicht. Diese bilden eine Verantwortungsgemeinschaft, um die häusliche Versorgung zu stärken und so eine definitiv bevorstehende Versorgungslücke zu schließen. Mitic betonte die Notwendigkeit der Kooperation aller am Gesundheitswesen teilnehmenden Akteure sowie Bürger und kommunale Einrichtungen, um eine ambulante Versorgung alter Menschen bei steigendem Bedarf weiterhin zu ermöglichen.

Auch Tassilo Mesenhöller, Geschäftsführer Gemeinnütziger Hauspflegeverein Solingen e.V., bewertete die Quartiersarbeit als tragende Säule zur Stärkung der medizinisch-pflegerischen Präventionsangebote. Mit seinem Vortrag „Altersgerechte Lebensräume – ein Leben in der Zukunft“ zeigte er vor allem die Zusammenarbeit zwischen stationärer und ambulanter Pflege auf. Im Ergebnis plädierte er für eine Weiterentwicklung der ambulanten Pflege zu einer geriatrischen Pflege, welches durch ein Pflegemonitoring, eine Art Case-Management, erzielt werden könne. Damit einher richtet sich sein Reformvorschlag an das Entlassmanagement, welches zwar formale Regulatorien aufstelle, jedoch weder Sanktionsmöglichkeiten noch Qualitätskontrollen bereithalte.

Am Ende stellten  Dr. Thomas Hilse und Claudia Schrewe, Vorstandsmitglieder des BMC Regional NRW, das Thesenpapier vor. Dieses führte die Reformvorschläge der Referenten zusammen und schloss die Veranstaltung ab.

Somit endete die 8. Fachtagung des BMC Regional NRW in Dortmund, welche durchweg positive Rückmeldungen erfuhr und nicht zuletzt durch die interessanten Beiträge und Diskussionen der Teilnehmer als erfolgreiche, fachlich anspruchsvolle Veranstaltung mit weiterführenden Informationen gewertet werden kann.

Thesen zur 8. Fachtagung des BMC Regional NRW „Versorgung alter und kranker Menschen – Wertanamnese und Refombedarf“

Am 29.09.2015 fand die 8. Fachtagung des BMC Regional NRW zum Thema „Versorgung alter und kranker Menschen – Wertanamnese und Refombedarf“statt.

Der BMC Regional NRW hat in einem Thesenpapier die Anforderungen an die zukünftige Versorgung alter Menschen formuliert.

Das Thesenpapier finden Sie hier.